„Ankommen bedeutet manchmal nur, dass man nicht mehr davonläuft.“
NEU: Arschkarten und Trümpfe [in Arbeit]
Lebenserinnerungen Band II
Einleitung
Als ich im Jahr 2000 in Köln ankam, war nichts mehr übrig, woran ich mich festhalten musste. Die Wohnung war klein, still und nahezu leer, und genau das machte sie zu einem Ort, an dem ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder atmen konnte.
Die Stille war kein Gegner. Sie stellte keine Fragen, sie verlangte keine Antworten. Sie war einfach da — und mit ihr ein Gefühl von Freiheit, das sich zunächst kaum von Leere unterscheiden ließ.
Ich wusste damals nicht, dass mit diesem Moment ein neuer Abschnitt meines Lebens begann. Rückblickend wirkt vieles logisch, beinahe zwangsläufig. Doch in Wirklichkeit bestand diese Zeit aus Unsicherheit, aus Entscheidungen ohne Anleitung und aus Erfahrungen, deren Bedeutung ich erst Jahre später begriff.
Bis weit in die achtziger Jahre hinein hatte ich mein Leben nicht wirklich selbst gelebt. Ich war Erwartungen gefolgt, die damals als selbstverständlich galten — verstaubten Vorstellungen davon, wie ein Leben auszusehen hatte, was richtig war und was man zu sein hatte. Erst als diese Ordnung zu bröckeln begann, merkte ich, dass Anpassung kein Ersatz für ein eigenes Leben ist.
Wer meine Geschichte kennt, weiß, woher ich kam. Meine Kindheit hatte Spuren hinterlassen, die sich nicht einfach abschütteln ließen. Aber Herkunft erklärt nicht, wie ein Mensch lebt, liebt oder scheitert. Die Jahre, die folgten, sollten mir zeigen, dass man das Leben nicht versteht, indem man nach Antworten sucht, sondern indem man Fehler macht und ihre Folgen aushält.
Dieses Buch erzählt von dieser Zeit — von Beziehungen, Irrwegen, Entscheidungen und den Versuchen, aus Niederlagen etwas anderes zu machen als bloße Erinnerungen. Es ist keine Abrechnung und keine Rechtfertigung. Es ist der Versuch zu verstehen, warum sich ein Leben immer wieder verändert, selbst dann, wenn man glaubt, endlich angekommen zu sein.
Vielleicht beginnt jede wirkliche Veränderung mit einem Moment, der unscheinbar wirkt: ein stiller Raum, ein neuer Schlüssel in der Hand, ein Mensch, der plötzlich allein ist — und zum ersten Mal merkt, dass genau darin eine Möglichkeit liegt.
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Lange Zeit war ich überzeugt, mein Leben verlaufe in überschaubaren Abschnitten, fast wie in einem persönlichen Sieben-Jahres-Plan. Rückblickend ließ sich alles halbwegs ordentlich sortieren: neue Orte, neue Jobs, neue „Freunde“, neue Anfänge — und jedes Mal die beruhigende Hoffnung, diesmal würde es dauerhaft funktionieren. Diese Theorie hatte nur einen kleinen Schönheitsfehler: Sie stimmte nicht.
Erst Jahre später begriff ich, dass nicht Zeiträume mein Leben bestimmten, sondern Menschen. Beziehungen hielten sich nämlich selten an irgendwelche Zyklen oder vernünftige Planungen. Sie kamen ungefragt, blieben zu lange oder verschwanden genau dann, wenn man glaubte, endlich verstanden zu haben, wie alles funktioniert.
Wenn ich heute auf diese Jahre zurückblicke, erkenne ich, dass die entscheidenden Wendepunkte meines Lebens nicht durch Kalenderdaten entstanden, sondern durch Begegnungen. Manche waren Rettungsanker, andere Lehrstunden, einige schlicht Katastrophen mit nachhaltigem Erkenntnisgewinn.
Deshalb folgt dieses Buch keiner sauberen Chronologie. Es erzählt mein Leben entlang der Menschen, die darin Spuren hinterlassen haben — freiwillig oder unfreiwillig. Den Anfang macht Heidi. Nicht, weil sie die erste war, sondern weil mit ihr eine Zeit begann, die mein Leben gründlicher durcheinanderbrachte, als jeder Sieben-Jahres-Plan es je vermocht hätte.
Kapitelübersicht
Kapitel 1: Heidi – Jahre zwischen Ordnung und Chaos [1978 – 1990]
Kapitel 2: Robert – Hiroshima der Gefühle [1988 – 1992]
Kapitel 3: Thomas – Mensch ärgere dich nicht [1989 –1999]
Kapitel 4: Millennium – Einsame Jahre [1999 – 2001]
Kapitel 5: Jascha – Ein fauler Kompromiss [2001 – 2010]
Kapitel 6: Matthias – Ein Leben zwischen Traum & Albtraum [2010 – 2013]
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