= L E S E P R O B E =

Tunten – Aufzucht und Pflege

Kapitel 10: Bordsteinschwalben und Hobbyhuren

Vorbemerkung: Dieses Kapitel beruht überwiegend auf meinen eigenen Erfahrungen und Begegnungen im Stricher- und Escortbereich, zahlreichen Gesprächen mit Betroffenen, Fachleuten und Hilfsorganisationen sowie einem persönlichen Interview mit dem Kölner Verein Looks e. V. Den größten Teil meiner Recherchen habe ich bereits in den Jahren 2007 und 2008 durchgeführt.

Soweit neuere Entwicklungen bekannt sind, habe ich diese berücksichtigt. Zahlen, Studien und statistische Angaben beziehen sich, sofern nicht anders angegeben, auf den jeweiligen Recherchezeitraum.

▬

Die männliche Form der Prostitution dürfte ebenso alt sein wie die weibliche. Schon Augustinus von Hippo, 354 bis 430 n. Chr., Philosoph, christlicher Theologe und Kirchenlehrer, auch ‚der Erhabene‘ genannt, sagte dazu: „Nimm die Huren aus dem menschlichen Verkehr, und du wirst alles durcheinander bringen.“ Den männlichen Bordsteinschwalben und Hobbyhuren ist gemein, dass sie ihren Körper gegen ein mehr oder weniger fest vereinbartes Honorar und nur zeitlich limitiert anbieten, wozu sie als einzige zweibeinige Betriebsinvestition lediglich ihren Mund, ihre Hände und/oder ihre Glutealregion benötigen. Sie sind quasi Handlungsreisende in Sachen Homo-Sex und kommen im Gegensatz zu ihren weiblichen Kolleginnen in der Regel ganz prima ohne Zuhälter aus. Damit enden aber auch schon die Gemeinsamkeiten zwischen weiblicher und männlicher Prostitution.

▬

Den ersten Abschnitt dieses Kapitels widme ich den Strichern, die in der Regel extrem lichtscheu sind und überwiegend der gesellschaftlichen Ächtung unterliegen. Und dies selbst bei den angeblich so liberalen schwulen Rosettenknechten. In der Hierarchie der Prostitution stehen sie zudem, rein gedanklich, in der untersten Schublade der Community. Weitere ‚Berufsbezeichnungen‘ dieser meist sehr jungen Männer sind Hartgeldnutte, Lustknabe, Strichjunge oder Puppenjunge. Der heute nicht mehr gebräuchliche Begriff des Puppenjungen findet sich im Verhörprotokoll des im vorigen Kapitel erwähnten deutschen Serienmörders Fritz Haarmann.

Jetzt werde ich erst einmal recherchieren, woher der Begriff ‚Stricher‘ eigentlich kommt. So erfahre ich, dass das Wort Stricher vom Ort der sexuellen Anbahnung abgeleitet ist. Nur gehen hier die Meinungen weit auseinander. Der Duden leitet den Begriff Strich vom ‚Herumstreichen‘ oder ‚Um-die-Häuser-Ziehen‘ auf der Suche nach Freiern ab. Die Wiener Prostitutionsverordnung zu Beginn des 20. Jahrhunderts schrieb dagegen vor, dass sich Dirnen nur außerhalb vorgeschriebener Bereiche der Innenstadt aufhalten durften, also hinter einer gedachten Linie, meist einer Bordsteinkante, was auch den Begriff ‚Bordsteinschwalben‘ erklärt. Diese Verordnung diente dem Zweck, die vornehme Gesellschaft Wiens nicht in ihrer eleganten Bewegungszone zu behindern.

▬

Nun ist es nicht so, dass die Zielgruppe ausschließlich aus schwulen oder bisexuellen Klienten besteht, denn es gibt auch heterosexuelle Männer, die gegen Entgelt homosexuelle Handlungen vornehmen oder an sich vornehmen lassen. Dieser Personenkreis muss sich aber nicht unbedingt entkleiden, sondern hat sich überwiegend auf BDSM spezialisiert und bemüht sich, die sexuellen Wünsche seiner Kunden zu erfüllen. Ich vertrete die Auffassung, dass jeder von uns käuflich und alles nur eine Frage des Preises ist.

Ein Paradebeispiel sind für mich karrieregeile Politiker und alle anderen Arschkriecher. Abgesehen vom erotischen oder sexuellen Akt sehe ich da keinen großen Unterschied. Ist es nicht auch eine Form der Prostitution, wenn sich eine Dame von Welt herausputzt, um ihrem heimlichen Galan bei einem sündhaft teuren Dinner mit anschließendem Theaterbesuch ins Ohr zu säuseln, wie gerne sie auch so einen schicken Hermelinmantel hätte, wie ihn Frau Oberstudienrätin Dr. Nimmersatt trägt? Und erst nach seiner Zusage im Hotelzimmer brav die Beine breit macht?

▬

Der Anteil ausländischer Stricher variiert in den Prostitutionshochburgen Nordrhein-Westfalens. Aus einer Studie aus dem Jahr 2001 geht hervor, dass ihr Anteil in Köln bei 29 Prozent, in Düsseldorf bei 63 Prozent, im Ruhrgebiet West bei 38 Prozent und im Ruhrgebiet Ost bei 50 Prozent lag. Da viele Stricher als Wanderpokale anschaffen, das heißt, sie befriedigen die sexuellen Bedürfnisse ihrer Kunden diese Woche in Köln und nächste Woche in Hamburg oder Berlin, ist es sehr schwierig, eine verlässliche Angabe über ihre tatsächliche Anzahl zu machen. Hinzu kommt, dass einige Stricher nur dann anschaffen, wenn sie sich gerade in einer finanziellen Notlage befinden oder, wie im Fall der Stricher mit Gastvisum, Deutschland nach drei Monaten wieder verlassen müssen. Es wird geschätzt, dass in Köln jedes Jahr zwischen 700 und 1.000 Jungen im horizontalen und/oder vertikalen Gewerbe tätig sind.

▬

Eine der ganz wenigen soziologischen Studien über Stricher hat unter anderem Folgendes ergeben: Häufig führt ein desolates soziales Umfeld in der Kindheit den Stricher unverschuldet in die Notprostitution. Meist stammen Stricher aus zerrütteten Familien, in denen Gewalt, Brutalität, Alkohol, sexuelle Übergriffe, Prostitution oder Drogenmissbrauch an der Tagesordnung sind. Aus diesen für sie unerträglichen Verhältnissen fliehen sie bereits in jungen Jahren, ohne eine wirkliche Wahl zu haben, und landen irgendwann im berüchtigten Straßenstrich- oder Bahnhofs-Milieu, wo sie häufig Opfer von Pädokriminellen und Drogendealern werden. Viele Stricher haben zudem negative Erfahrungen mit Heimaufenthalten gemacht, aus denen sie ebenfalls geflohen sind. Schulabschluss, soziale Grundsicherung, Altersvorsorge, Krankenversicherung, abgeschlossene Berufsausbildung, stabile Beziehung? Alles Fehlanzeige!

▬

Nicht von der Hand zu weisen ist hingegen die Tatsache, dass manche Stricher aufgrund ihrer sozialen Herkunft und Lebensumstände ein erhöhtes Risiko für kriminelles Verhalten aufweisen. Wer sich ins Strichermilieu begibt, muss durchaus damit rechnen, früher oder später auf einen sogenannten ‚Klau-Stricher‘ zu treffen. Dabei handelt es sich um junge Männer, denen es nicht um Sex oder Geld für eine sexuelle Dienstleistung geht, sondern die gezielt nach Gelegenheiten suchen, ihre ahnungslosen Opfer zu bestehlen. In der Kölner Altstadt dürfte ihre Zahl höher sein als die der regulär anschaffenden Jungs. Dem Klau-Stricher ist es dabei gleichgültig, ob er seine Tat in einer Gaststätte oder in der Wohnung des Freiers begeht. Empfehlenswert bleibt hier, nur so viel Bargeld bei sich zu haben, wie man an diesem Tag oder Abend tatsächlich ausgeben möchte, auf auffällige Statussymbole zu verzichten und seinem zweifelhaften Vergnügen möglichst nicht in den eigenen vier Wänden nachzugehen. Grundsätzlich gilt auch hier: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.

▬

Während ihrer Tätigkeit halten sich männliche Prostituierte häufig in der Nähe von Bahnhöfen und Flughäfen, in Großstädten, auf den wenigen einschlägigen Straßenstrichen oder in einschlägigen Szenelokalen auf. Aber auch öffentliche Schwimmbäder, die Umgebung öffentlicher Toiletten, einschlägige Parks oder Kaufhäuser mit einer Playstation sind Orte, an denen sie darauf hoffen können, von älteren Herrschaften auf ihre Dienste angesprochen zu werden. Szene-Gastwirte, Stricherkollegen und Freier ersetzen dem Stricher dabei häufig die Familie. Allerdings mit klaren Grenzen.

So kann ein Stricher nicht mit der Unterstützung des Wirtes rechnen, wenn er kriminelle Handlungen begangen hat. Häufig ist der Gastwirt nämlich der kompetente Ansprechpartner für Freier, wenn es um die Frage der Zuverlässigkeit der Jungs geht. An dieser Stelle darf nicht vergessen werden, dass es Freier gibt, die nicht nur den Sex suchen, sondern die Jungen brauchen, um ihrer eigenen Einsamkeit zu entfliehen. Womit sich dann zwei Menschen begegnen, die den Faden ihres Lebens verloren haben.

▬

Die folgenden Schilderungen dienen als exemplarisches Beispiel für die zweifelhafte und schicksalhafte ‚Karriere‘ eines Sexarbeiters. In Matthias’ Fall begann sie mit der Bekanntschaft eines anderen Minderjährigen, der bereits in einem Mönchengladbacher Porno-Etablissement mit Prostituierten beiderlei Geschlechts anschaffte. Dass sich der Betreiber damit gleich mehrfach strafbar gemacht hatte, schien diesen nicht sonderlich zu interessieren. Auch nicht, dass dort ungeschützter Geschlechtsverkehr praktiziert wurde. Matthias’ monatliches Nettoeinkommen betrug lediglich 500 bis 700 Euro, da ihm der Rest für Kost und Logis abgezogen wurde. Es war die Zeit, in der er zum ersten Mal in seinem Leben mit leichten Drogen in Berührung kam. Aus einem späteren Telefonat zwischen seiner Schwester und mir erfuhr ich, dass er im Alter von 15 Jahren im Drogenrausch mit einer Axt auf seinen Vater losgegangen sein soll. Nach diesem Vorfall, bei dem der Vater glücklicherweise unverletzt blieb, brachen seine Eltern und Geschwister, von denen ein Bruder bereits Knasterfahrung hatte, mit ihm.

Für Matthias war dies der Beginn einer zerstörerischen Abwärtsspirale. Weil einer seiner Stammfreier ihm berichtet hatte, dass er als eigenständiger Callboy in Düsseldorf viel mehr Geld mit seinem Körper verdienen könne, zog es ihn knapp ein Jahr später dorthin. Da er über keine eigene Wohnung verfügte, war er gezwungen, als Stricher zu arbeiten. Unter anderem schlief er anfangs notgedrungen und immer öfter bei einem langweiligen, nach Schweiß, Nikotin und Alkohol stinkenden, fettleibigen, asozialen 60-Jährigen. Dafür hatte er mit diesem in dessen schmuddeliger, kleiner Behausung als Gegenleistung noch langweiligeren Sex. Später wechselten seine Aufenthaltsorte und Schlafplätze mit den wechselnden Freiern oder den verschiedenen privaten Fickverhältnissen. Dagegen ließ der häufigere Wechsel seiner Unterwäsche und Straßenkleidung oft zu wünschen übrig.

▬

Nach Ablauf dieser Woche stellte sich jedoch heraus, dass seinem anonymen Kunden offensichtlich das Geld ausgegangen und spurlos verschwunden war. Das hatte zur Folge, dass alle anwesenden Zimmerbewohner vom Hotelier des altehrwürdigen Hauses polizeilich vernommen wurden. Der Eigentümer war jedoch nicht bereit, den Jungs, die gar nicht die Mieter des Zimmers waren, ihre Sachen auszuhändigen, solange die offene Hotelrechnung nicht vollständig beglichen war. So verlor Matthias sein gesamtes Hab und Gut und stand nach dieser fragwürdig exzessiven Partywoche wieder völlig mittellos auf der Straße. In dieser ausweglos erscheinenden Situation dachte er in kölscher Lebensart: „Wat fot is, is fot.“ In einem anderen Fall hielt sich Mattes wieder einmal vor einer Stricherkneipe in der Kölner Altstadt auf, als er von einem etwa 50-jährigen, korpulenten, grauhaarigen Mann mit englischem Akzent angesprochen wurde. Dieser bot ihm 100 Euro, wenn er ihn auf sein Zimmer in einem nahegelegenen Hotel begleiten würde. Auf dem Weg dorthin fragte er Mattes, ob er auch auf sadomasochistische Spielchen stehen würde. Mattes bejahte. Allerdings unter der Einschränkung, dass es sich um Praktiken handeln müsse, die keine körperlichen und mentalen Spuren hinterließen.

▬

Neben seinen eigenen Erlebnissen und Erfahrungen erzählte mir Mattes auch weitere unglaubliche Geschichten von seinen ‚Kollegen‘. So berichtete er mir etwa von einem 17-jährigen Stricher, dem ein völlig verantwortungsloser Freier 30 Euro dafür bot, sein Sperma zu schlucken. In einem anderen Fall wollte ein Freier sein Sperma für 50 Euro in den Hintern eines Strichers spritzen. Als der aus Rumänien stammende Stricher einwilligte, versuchte der über 60 Jahre alte Freier, den Preis noch auf 30 Euro zu drücken. Bei allem Verständnis für die sexuellen Bedürfnisse von Freiern, die unkomplizierten, schnellen Sex, meist ohne Konversation, mit Minderjährigen suchen: Bei solchen Praktiken hört mein Verständnis auf! Ich erwarte sicherlich nicht, dass 12- bis 18-jährige Jungs sich der gesundheitlichen Risiken und Folgen voll bewusst sind. Für erwachsene Männer, die diese Jungs zu riskanten Sexualpraktiken animieren, muss das Strafrecht jedoch eindeutig verschärft werden.

▬

Der zweite Teil meiner unwissenschaftlichen Abhandlung über käufliche ‚Liebe‘ ist den Callboys gewidmet, die auch Escorts, Begleiter oder Gesellschafter genannt werden. Ihr ‚Geschäftsmodell‘ mit überwiegend hetero- und bisexueller, seltener schwuler Klientel ist ein völlig anderes als das der Straßenprostituierten. Diese Kundschaft bevorzugt seriös arbeitende Phallusprofis, die gebotene Sicherheit, das angenehme Ambiente, eine anregende Konversation und den Komfort, nach getaner Arbeit das Bad des Gastgebers benutzen zu dürfen. Besonders wichtig ist diesem Kundenkreis die gebotene Diskretion. Einen Großteil der vereinbarten Zeit verbringen diese Gäste jedoch damit, über ihren Job, ihre Frau, ihre Kinder, ihre Schwiegermutter, ihren Hund oder ihren Papagei zu sprechen. Darüber hinaus sind sie froh, einen Gesprächspartner auf Augenhöhe gefunden zu haben, dem sie ihre intimsten sexuellen Fantasien anvertrauen können, die dieser gegen entsprechende Honorierung in der Regel auch erfüllt.

▬

Wie bereits kurz erwähnt, nehmen heterosexuelle Männer gerne die Dienste von Strichern oder Callboys in Anspruch, um ihr moralisches Gewissen zu beruhigen. Sie sehen im bar bezahlten Sex keine Untreue gegenüber ihrer Partnerin. So verdrängen sie durch diese Form der gleichgeschlechtlichen Sexualpraktiken die Selbsterkenntnis, dass sie bisexuell oder sogar schwul sind. In anderen Fällen nutzen Hetero-Männer Stricher oder Callboys, um herauszufinden, ob ihre sexuelle Orientierung tatsächlich hetero ist. Die wohl anspruchsvollste, arbeitsintensivste Klientel für beide Gruppen sexueller Dienstleister dürften schwule ‚Geiz-ist-geil-Freier‘ sein. Und das aus überwiegend folgenden Gründen: Erstens, weil er der Meinung ist, dass er, wenn er schon für Sex bezahlt, auch das ‚volle Programm‘ erwartet. Zweitens lässt er sich von den ‚Ackergäulen‘ keinen Orgasmus vortäuschen. Drittens, verlangt er, dass die vereinbarte Stoßzeit korrekt eingehalten wird. Viertens versuchen diese Proleten, den vorher ausgehandelten Festpreis zu drücken, mit dem Argument, sie bekämen Sex schließlich in einschlägigen Saunen, Pornokinos, auf öffentlichen Toiletten oder in Marokko fast umsonst. Da stellt sich mir die Frage: Warum geht oder fliegt er nicht gleich dorthin?

▬

Bei vielen Escorts reicht der monatliche Zuverdienst jedoch gerade einmal für eine neue Designerjeans. Ferner ist Callboy kein Job, den man ewig machen kann, und erst recht kein Vollzeitjob. Ich kenne Professionelle, die sich ab und zu eine Auszeit gönnen, um wieder Kraft zu tanken, da sie für manche Gäste eine Art psychosoziale Notfallversorgung übernehmen. Zudem steigen viele wirklich gute Entspannungsherren aus, wenn sich in ihrem Privatleben gravierende Veränderungen ergeben, wie zum Beispiel ein lang ersehnter Lover oder eine Freundin. Aus meinem persönlichen Umfeld kenne ich Callboys, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben und es einfach geil finden, sich für Geld flachlegen zu lassen und dabei die Kunden nach allen Regeln der erotisch-sexuellen Kunst zu verwöhnen. Ich wage aber zu behaupten, dass dies die Ausnahme ist und höchstens auf drei bis fünf Prozent der professionellen Sexarbeiter zutrifft. Überdies hängt es weitgehend vom jeweiligen Gast ab, ob die Arbeit Ekel auslöst oder das ist, was sie sein soll: Fairness, Spaß, Entspannung und gute Unterhaltung auf Zeit.

▬

In den meisten Tummelplätzen der Lüste trifft der zahlungswillige Gast in der Regel gleich auf mehrere Boys, die sich natürlich alle von ihrer Schokoladenseite zeigen, da sie den Zuschlag für die anstehende Matratzenakrobatik erhalten möchten. Selbst bei ansprechender Optik hat der Gast beim Opfer seiner Begierde keine Garantie, dass sich beim Entkleiden keine Reste dieser ‚Schokolade‘ in der Unterhose festgesetzt haben. Umgekehrt natürlich genauso. Um an den nun so greifbar nahen ‚Superverdienst‘ von 50 Euro/Stunde zu gelangen, versprechen die Fraggles dem Gast jede gewünschte oder geforderte sexuelle Handlung, um diese dann im angrenzenden Spielzimmer rigoros und konsequent zu verweigern. Eine Geld-zurück-Garantie kann der Gast nur in den seltensten Fällen erwarten. Zudem spüren die Gäste in diesen Clubs häufig den enormen Konkurrenzdruck unter den Jungs sowie den teilweise rauen Umgangston zwischen den Boys und dem Betreiber.

Ein routinierter Puffgänger berichtete mir, dass er, als er den polnischen Jungen, dessen Dienstleistungen er in Anspruch zu nehmen gedachte, im Zimmer nach seinem Namen fragte, als Antwort erhielt: „100 Mark!“ Weltweit wusste kaum einer der von mir interviewter Bordellbesucher Gutes über die Clubs und die dort verkehrenden Gesellschafter zu berichten. Als Gast sollte man sich vorher darüber im Klaren sein, welche Anforderungen man an diese Freudenjungen stellt und wie viel einem dieses Vergnügen wert ist. Mehr Geld sollte man dann auch nicht dabei haben, damit es nicht unnötig verlustig geht. Ganz sinnvoll kann es sein, kurz vor dem anstehenden Clubbesuch noch seinen Lurch zu würgen, denn 100 Euro sind doch sehr viel Geld, wenn man sonst schon nach zwei Minuten vor dem nicht immer omnipotenten und professionellen Sexdienstleister völlig notgeil ejakuliert.

▬

Grundsätzlich liegen die Preise eines seriösen Callboys erwartungsgemäß deutlich höher als die eines Strichers. Im Schnitt kostet dieses Vergnügen Escort-Kunden zwischen 80 und 150 Euro pro Stunde. Extras kosten natürlich extra, doch der hoffentlich potente Callboy wird dem Kunden nicht nur den Druck in der Leistengegend nehmen, sondern ihm vorher auch einen garantierten Festpreis unterbreiten. Ich kenne kaum einen Sexnomaden, der nicht bereit ist, über den verlangten Preis zu verhandeln. So kann es sich für den Gast durchaus lohnen, kurz über einen kleinen Rabatt zu verhandeln. Finanzielle Nachforderungen sind seitens der Callboys eher unüblich, schließlich ist es in ihrem Interesse, sich mit der Zeit ein paar treue Stammgäste aufzubauen. Im Gegensatz zum Einzelhandel, der nach dem Prinzip ‚erst die Ware, dann das Geld‘ verfährt, ist es beim Callboy umgekehrt. In der Regel lehnen Erotikfachverkäufer Schecks und Kreditkarten ab, denn hier gilt das Motto: Nur Bares ist Wahres. Wie bei den Strichern beschrieben, sollten sich sowohl Gast als auch Gastgeber an getroffene Vereinbarungen halten.

▬

Nur für den Fall, dass du dich die ganze Zeit fragst, woher ich mein fundiertes Wissen über die Vielfalt der käuflichen Liebesdiener habe: Von Ende der 90er bis 2005 betrieb ich zunächst in Essen und später in Köln äußerst erfolgreich eine nach kaufmännischen Gesichtspunkten geführte Boysvermittlungsagentur. In Spitzenzeiten verdienten bis zu 16 Gesellschafter nicht nur meinen Respekt, sondern auch eine Menge Kohle. Bis es zu einem privaten Beziehungsdesaster kam. Mein Wissen über das Lebensumfeld von Strichern verdanke ich der geschilderten Begegnung mit Matthias. Wenige Monate nach unserem ersten Treffen Anfang der 2010er Jahre fühlte ich mich berufen, den Jungen von seinem von Sex-, Drogen- und Alkoholexzessen sowie Lügen und Unzuverlässigkeiten geprägten Weg abzubringen. Mit anderen Worten: Ich war mehr als bemüht, eine weitere verkorkste Seele auf den Pfad der Tugend zurückzuführen. Nach fast dreieinhalb Jahren voller Abstürze und  Höhenpflüge, in denen ich oft einem Nervenzusammenbruch verdammt nahe war, musste ich schließlich einsehen, dass diese verlorene Seele nicht mehr zu retten ist. Womit ich das Thema über Bordsteinschwalben und Hobbyhuren nun beende.


– Ende –


Schwulenwitz 10:

Ein Schwuler kommt wegen einer Prostatauntersuchung zum Urologen. Dieser bittet ihn, sich unten herum freizumachen und sich auf den Gynäkologenstuhl zu setzen. Während der Untersuchung sagt der Urologe zu dem Schwulen: „Sie müssen aufhören zu onanieren!“ „Warum das denn?“, fragt ihn der Schwule. Darauf der Urologe: „Weil ich Sie sonst nicht untersuchen kann!“

Seitenanfang


© 2025 – Mike Schwarz – Köln Kapitel 9 – 15 Home

© Copyright - Literaturseiten Mike Schwarz - Köln